Taoismus
Die taoistische Philosophie ist eine Weltanschauung, die dem Ninja half, seinen Geist und seine Handlungen ins natürliche Gleichgewicht mit dem Universum zu bringen.
Es ist schwer zu erklären, was das Tao ist. Denn schon im ersten Vers von Lao-Tzus Werk „Tao te king“ heißt es:
„Das Tao, das sich aussprechen lässt, ist nicht das ewige Tao, der Name, der sich nennen lässt, ist nicht der ewige Name. (…)“.
– Lao-Tzu (Tao te king)
Taoismus (sprich Daoismus) ist eine Lebensweise, der das Mitgehen mit dem Lauf der Zeit bedeutet. Diesen „natürlichen Lauf“ kann man z.B. im strömenden Wasser, in den Flammen des Feuers, den Wolken, die am Himmel ziehen erkennen.
Gerade heute, wo der Mensch immer weiter danach strebt alles zu beherrschen und zu kontrollieren, und dadurch furchtbare Dinge tut, stellt der Taoismus eine gute Alternative dar.
Vielen Menschen bleibt diese Lehre jedoch leider verschlossen, weil die Texte fast durchgehend schwer zu verstehen und von unglaublicher Tiefe sind. Doch es lohnt sich einmal in diese alten Werke von Meistern wie Laotzu, Chunangtzu, Liehtzu oder anderen Philosophen dieser Zeit zu sehen.
Yin und Yang
Am Anfang zum Verständnis des Taoismus steht der Begriff der Polarität des Yin und Yang. Dieses Prinzip ist ein wichtiger Teil dieser Lehre. Das Symbol der Dualität mit seiner weißen und seiner schwarzen Seite wurde schon vor einiger Zeit als beliebter Kommerzartikel von Industrie und Medien ausgebeutet. Und viele tragen mit Sicherheit ein Kettchen mit diesem Symbol, ohne sich seiner wahren Bedeutung bewusst zu sein.
Im Westen immer wieder missverstanden ist dieses Symbol nicht ein Zeichen für Gut und Böse, für ein ewiges Ringen der beiden Kräfte, für die christliche Lehre vom Himmel und der Hölle. Vielmehr ist dieses Symbol ein Zeichen für eine Dualität, bei der es kein „gut“ oder „schlecht“ gibt. Das eine ist nur die Kehrseite des anderen. Ohne eine „Hoch“ existiert kein „Tief“, ohne „Helligkeit“ existiert auch kein „Dunkel“. Beide sind nur verschiedene Aspekte ein und desselben Systems, und ein Verschwinden des einen würde zum Verschwinden des Anderen führen.
Die westliche Welt versucht, bedingt durch die christlichen Lehren immer eine Welt zu schaffen, in der es „Freude ohne Leid“, „Reichtum ohne Armut“ und „Gesundheit ohne Krankheit“ gibt. So wird in der westlichen Medizin nicht auf die Ursache einer Krankheit geschaut, sondern meist werden nur die Symptome bekämpft. Ein chinesischer Arzt versucht primär die Ursache für die Krankheit zu erkennen und erst dann einen Weg zu finden, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Alle Erfindungen, die uns mehr von dem einen Bringen sollen, bringen automatisch auch mehr von dem Anderen mit sich. Ganz gleich, was wir auch Erfinden, um diese Welt „besser“ zu machen, Penizillin, Kernenergie, Autos, Computer etc. Vieles schafft genauso viele oder sogar noch mehr Probleme, als sie lösen. Das Vermeiden des einen Aspekts ist nicht der Sinn des Taoismus. Beide Seiten der Medaille sind richtig, weil sie vom Universum akzeptiert werden. Dieser Aspekt ist Anfang nur schwer zu begreifen, vor allem wenn man in einer christlich geprägten Welt aufgewachsen ist.
Das soll nicht bedeuten, Technologie abzulehnen, sondern nur, dass Technologie in den Händen von Menschen destruktiv wird, die nicht erkennen, dass sie dem selben Prozess angehören wie alle Dinge in diesem Universum.
Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen. Wenn ein weiser Jäger im Dschungel an einem Tag einen Affen schießt, so reicht ihm dies und er kehrt nach Hause heim. Ein schlechter Jäger würde alle Affen schießen, die in der Gegend sind und sich über ein üppiges Mahl freuen. Doch wenn er einige Zeit später wieder einen Affen jagen will, so muss er doppelt so weit wandern, bis er wieder auf Affen stößt.
Wer sich selbst von diesem Universum getrennt sieht und versucht es sich zu eigen zu machen oder es zu unterwerfen, der Handelt gegen den Lauf der Dinge. Doch früher oder später wird auch er scheitern und sein Versuch alles zu Kontrollieren wird fehlschlagen.
Winde, Gezeiten, Strömungen, Jahreszeiten, sie zeigen das Prinzip des Werdens und Vergehens, ein Taoist nutzt sie und geht nicht dagegen an, sondern geht „mit dem Strom“.
Tao
„Es gibt keinen anderen Weg als den Weg“. Das Tao ist die höchste Wirklichkeit und Kraft des Universums, der Grund für Sein und Nichtsein. Das Tao „tut“ nichts und lässt doch nichts „ungetan“. Es kann nicht mit Worten definiert werden und ist weder eine Idee noch ein Begriff. Es ist keine Energie, die das Universum durchzieht und es ist auch kein Gott. Es mag die Götter oder den Gott erschaffen haben, doch es ist KEIN Gott und kein Schöpfer.
Aus sich selbst heraus
Tao ist das, was von selbst geschieht (tzujan), spontan und aus sich heraus und ohne Zwang.
Man kann dem Weg des Tao nicht „folgen“ oder „nicht folgen“. Vielleicht kann man sich einbilden, man würde außerhalb des Laufes der Dinge stehen, doch dies ist nur eine Einbildung.
Das Tao ist also der Lauf der Natur, die Ordnung des Universums. Das Tao ist Selbsterzeugend und existiert aus sich selber heraus und ist Nicht-Gesetz.
Die Harmonie des Universums stellt sich ein, wenn alle Dinge ihren eigenen Weg gehen dürfen. Im Alten China gab es einige wenige Herrscher, die ihren Staat nach den Prinzipien des Tao regierten. Das heißt möglichst wenige Gesetze, Strafen und Bürokratie. Es heißt zu dieser Zeit sei der Friede im Lande am stärksten gewesen. Doch eigentlich ist jeder Versuch das Tao mit Worten zu beschreiben schon von Vornherein zum scheitern verurteilt.
Die Struktur des Tao
Das Tao hat jedoch eine Struktur und Form. Dieses heißt auf Chinesisch „Li“ und ist die asymmetrische, sich nicht wiederholende, nicht reglementierte Ordnung. Diese Ordnung kann z.B. man im fließenden Wasser, in der Struktur von Baumrinde, in Eiskristallen, Kieseln am Strand, den Muskelfasern oder in der Form von Galaxien erkennen. „Li“ ist Schönheit, die auf uns anziehend wirkt, ohne das man sie erklären könnte. Und es sind keine wissenschaftlichen Erklärungen, wie Oberflächenspannung oder mathematische Gesetzmäßigkeiten, die dieses Prinzip ausmachen.
Nicht-Handeln
Das Prinzip des Taoismus ist „Nicht-Handeln“ (Wu Wei). Es ist aber nicht im Sinne von Trägheit, Faulheit, laissez-faire oder Passivität zu sehen. Wu Wei bedeutet nicht gegen den natürlichen Lauf des Tao zu handeln. Wu Wei ist die Weide, die unter der Last des Schnees nachgibt, und nicht wie ein hoher Baum, der starr ist und dessen Äste brechen.
Ein Mensch der das Tao verstanden hat, dessen Lebensstil ist Wu Wei. Dieses Prinzip wurde auch von den Ninja angewandt (In shin tonkei). Ein Ninja kannte die Prinzipien der Natur und der Menschen so gut, das er im Umgang mit ihnen nur ein Minimum an Energie verbrauchte.
Über den Autor
Ich bin Stefan Imhoff, Designer, Kampfkünstler, Hobby-Philosoph und Gründer dieses Ninjutsu-Website, die ich seit 1999 betreibe, und die schon bei PRO7 (Galileo), RTL2 (Welt der Wunder) sowie in der P.M. Welt des Wissens erwähnt wurde. Ich wohne in Hamburg und schreibe auf meiner persönlichen Website über Webstandards, Design, Django, Git und Programmierung.
