<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>

Heihō

Infiltration der feindlichen Linien

Wenn ein Ninja die feindlichen Linien durchbrechen wollte, um in sein Einsatzgebiet zu gelangen musste er Einfallsreichtum haben.

So wurde gerne eine Taktik angewendet, bei der ein Trupp von Ninja oder Samurai einen Scheinangriff ausführte (ennyu no jutsu). Wenn alle Truppen zum Angriff eilten, konnte der Ninja ungehindert in die Festung gelangen. Manchmal verkleidete sich der Ninja als einfacher Fußsoldat. Diese waren meist aus Bauern rekrutiert und niemand kannte ihre Identität, so das sich der Ninja unbehelligt bewegen konnte.

Manchmal war ein Trupp von Ninja auch beim Feind als Söldner an und kam so ungehindert ins Einsatzgebiet. Beim Bau der Burg von Iga mischten die Ninja sich unter die Arbeiter und konnten so die Schwachstellen der Festung herausfinden, was ihnen später zum Sieg verhalf.

Strategien für eine Infiltration

Um in die feindliche Burg oder ins feindliche Lager zu gelangen benutzte der Ninja verschiedene Strategien.

Als erstes musste er den richtigen Zeitpunkt für den Angriff abwarten (nyukyo no jutsu, dt. die Kunst der Invasion). Ein günstiger Zeitpunkt für einen Angriff war, wenn die feindliche Streitmacht das Lager für einen Feldzug verlassen hatte. Er stieg über die Befestigungswälle und öffnete seinen Truppen die Tore. Eine andere Möglichkeit fand sich, wenn ein Lager erst seit wenigen Tagen errichtet war oder wenn neue Truppen eingetroffen waren. Zu diesem Zeitpunkt war alles noch nicht richtig organisiert und man konnte leicht untertauchen.

Der Ninja benutzte Koch- und Essenszeiten, die Fütterungszeiten der Pferde und Ruhezeiten, um sich Zugang zu verschaffen.

Besonders gut eignete sich auch die Nacht nach einer Feier, nach einem Unfall oder Todesfall oder nach Genesung eines Kranken. Auch nach gewonnenen und verlorenen Schlachten war es einfach ins Lager zu gelangen.

Er nutzte mit Vorliebe das Wetter – bei Regen, Schnee, Stürmen und in mondlosen Nächten griff er seine Feinde an.

Die Schlafgewohnheiten wurden auch mit in die Planung einbezogen. Lieber wurde im Frühjahr und Sommer angegriffen, weil Menschen zu dieser Zeit tiefer schlafen. Im Herbst und Winter schlafen die meisten Menschen nicht so tief, deshalb vermied er diese Zeit.

Er wusste, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen, dass Dicke meist gut, Dünne meist schlecht schlafen.

Dann fand er die Schwachstellen der feindlichen Verteidigung heraus (monomi no jutsu). Er zog Zimmer vor, in die man leichter Einbrechen konnte. Meist waren das Räume, die weit von Küche, Esssaal oder Vorratskammer entfernt waren. Er suchte nach Hintertüren oder unbenutzten Zimmern, wie Gästezimmern.

Der Mensch als Schwachstelle

Aber auch die Schwachstellen in der menschlichen Verteidigung machte er sich zu nutzen (nyudaki no jutsu). Er nutzte die Faulheit, Dummheit oder andere Eigenheiten der Wachen zu seinen Gunsten. Bei Regen oder Kälte (ametori no jutsu, dt. die Kunst der Vögel im Regen) blieben die Wachen mit Vorliebe ihrer Arbeit fern oder führten sie nur halbherzig aus. Meist wurde jede Ablenkung auf dem langweiligen Dienst mit Freude angenommen.

Manchmal warf der Ninja einer Wache einen Gegenstand über den Kopf um seine Aufmerksamkeit zu erhalten (yoji gakure no jutsu). Diese Technik wurde solange ausgeführt, bis der Gegner kein Interesse mehr hatte, einem Knacken im Geäst nachzugehen. Zusätzlich konnte man ihn mit Tierlauten irritieren.

Eine beliebte Taktik bestand darin einen Mantel im Freien aufzuhängen. Bei Wind verursachte dieser Geräusche und lockte die Wachen an, so dass der Ninja unbehelligt weiter schleichen konnte.

Vermeiden von Kontakt mit Menschen

Grundsätzlich versuchte er auf seinen Nachtmissionen jedem menschlichen Kontakt auszuweichen. Konflikte behinderten ihn in seiner Ausführung und kosteten Zeit, wohlmöglich scheiterte der Auftrag sogar daran. Doch wenn es sich nicht vermeiden ließ, dann versuchte er die Leiche der Wache ins dichte Geäst eines Baumes zu tragen.

Gerne nutzte er den Aberglaube der Menschen aus (kyonin no jutsu). Ob Teufelsmaske, Feuerspuken oder diverse böse Tiere wie Schlangen, Kröten, Ratten oder Raben, er setzte alles ein, das ihm einen Vorteil brachte.

Wenn er den Auftrag hatte Schrecken und Furcht unter seinen Gegnern zu verbreiten, so griff er mit Vorliebe aus dem Hinterhalt an, schlug hart zu und zog sich wieder zurück. Auf diese Weise wurde die Kampfmoral der Truppen zersetzt.

Mit Vorliebe versteckte er sich schon vor der Schlacht im Gebälk der Burg und wartete ab. Dann legte er Feuer an verschiedenen Orten der Burg, Sabotierte Munitionsdepots und Vorratskammern, verunreinigte Brunnen und zerstörte Ausrüstung.