Kōga-ryū

Gründung des Kōga-ryū

Das Kōga-ryū-ninjutsu war der andere Ninja-Clan von großer Wichtigkeit in Japan. Er wurde von 53 Familien gegründet, wahrscheinlich in der Tenkyo-Periode zwischen 938 und 946.

Nachdem sich Mochizuki Saburi Kameie im Krieg gegen die Taira no Masakado ausgezeichnet hatte, erhielt er ein wenig Land südöstlich der Omo-Provinz. Die Region wurde Kōga Gun genannt, deshalb änderte Mochizuke seinen Namen in Kōga Oni no Kami Kameie. Es war sein Sohn Oni no Kami Iechika, ein Talent auf den militärischen Künsten, und in der Literatur, dem nachgesagt wird, er habe den Kōga-ryū gegründet. Es wird erzählt er habe genjutsu (Kunst der Illusion) von dem buddhistischen Mönch Tatsumaki Hoshi gelernt, der in dieser Gegend lebte.

Die Tradition bleib für sieben Generationen, Oni no Kami Ienari, Iesada, Ienaga, Iekiyo, Ietoo, Ieyoshi und Yoshiyasu, bevor sie sich auf andere Familien ausdehnte, Mochizuki, Ugai, Naiki und Akutagawa. Diesen fünf Familien traten die übergebliebenen Truppen aus dem Norden und Süden des Königreiches während des Namboku-Krieges (1335-1395) bei. Mit der Hilfe des Kōga-ryū wuchsen sie auf 53 Familien an. Einige dieser Familien des Kōga-ryū waren:

Kōga-ryū, Shinpi-ryū, Taira-ryū, Isshu-ryū, Byaku-ryū, Tengu-ryū, Taro-ryū, Kuruya-ryū, Tomo-ryū, Tatara-ryū, Sugawara-ryū, Otomo-ryū, Hiryū-ryū, Fujiwara-ryū, Sasaki-ryū, Tachibana-ryū, Kawachi-yon-tengu-ryū.

Die Anführer des Kōga-ryū

Während der Kōga-ryū wuchs, gab es acht Familien, die die anderen ryū in Kōga kontrollierten. Diese acht Familien waren Kōga, Mochizuki, Ugai, Naikii, Akutagawa, Ueno, Ban und Nagano. Aber auch Gruppen in Kōga wie Hiryūgumi, Kakuryūgumi, Tachibana Hachitengu Gumi und Kawachi Yon Tengu Gumi hatten sehr fähige Meister.

Während der Hokuto-Periode (1441-1451) waren die Anführer Kōga Saburo, Mochizuki Goro, Ugai ryūhoshi, Naiki Fujibe und Akutagawa Kazuma. Während der Bunmei-Periode (1469-1487) waren es Kōga Saburo II, Mochizuki Yajiro, Ugai Chiaki, Naiki Gohei und Akutagawa Tenpei, die von der Sasaki-Familie, die daimyō (‚Großer Name‘, reicher Grundbesitzter) in dieser Gegend waren, angeworben wurden, um die Truppen gegen Ashikaga Yoshizawa führten.

Fast 100 Jahre später warb die Sasaki-Familie Ninja noch einmal. Dieses mal waren es Ninja aus der Kōga- und Iga-Region im Jahr 1570. Sie warben ebenfalls Samurai aus Kōga mit dem Ziel an Oda Nobunaga zu zerstören. Die Samurai wurden sehr intensiv während einer kurzen Zeitspanne ausgebildet, damit sie die Kampfstrategien der jōnin ausführen konnten.

Sasakis Armee wurde in drei Divisionen aufgeteilt, die erste wurde von Ninja des Mikumo-ryū, Takanose-ryū, Mizuhara-ryū und Inui-ryū angeführt. Die zweite wurde von den anderen 53 Kōga-Familien angeführt und die dritte von den Samurai Sasakis. In der Schlacht wechselte Mikumo Iyo Kami, der eine von Sasakis Armeen anführte, plötzlich die Seiten und griff Sasakis Armee von der Rückseite an, was zu deren Niederlage führte. Sasaki selbst konnte nur knapp entkommen.

Tokugawa Ieyasu setzt Kōga-ninja ein

Als Tokugawa Ieyasu um die Macht in Japan kämpfte, wurde die Fushima-Burg nahe Kyoto belagert. Sie mussten sich lange genug gegen die Armeen im Westen verteidigen, damit die Tokugawa-Armee genug Zeit hatte sich für den Kampf in Sekigahara (Ort der letzten Entscheidungsschlacht des Bürgerkriegs) im Osten zu gruppieren. 400 Ninja der Kōga-Region halfen bei der Verteidigung. Einige von ihnen in der Burg, andere terrorisierten den Feind draußen mit verschiedenen Angriffen. Ungefähr 100 von ihnen starben, und nachdem Tokugawa gesiegt hatte hielten sie eine Zeremonie ab, und es wird erwähnt, dass Mochizuki und Arakawa getötet wurden.

Der letzte Einsatz der Kōga-ninja

Eines der letzten Male, bei der die Kōga-Ninja aktiv wurden war die Schlacht bei Shimabara no Ran (Ort der Schlacht im Christenaufstand), als christliche Samurai eine Rebellion starteten und die Hara-Burg in der Shimabara-Provinz auf Kyūshū besetzten. Zehn Ninja aus der Kōga-Region wurden von Izumo Kami Nobutsuna ausgesandt, um Informationen für die Samurai des shōgun zu sammeln, um den Angriff gegen die Burg vorzubereiten.

Sie wurden angeführt von Mochizuki Heidayu, 63 Jahre alt und Akutagawa Kiyouemon, 60 Jahre alt, beides Veteranen aus der Schlacht von Sekigahara. Die anderen aus Kōga waren:

  • Iwane Kanbei, 56 Jahre alt
  • Tomei Gohei, 53 Jahre alt
  • Natsumi Kakunosuke, 41 Jahre alt
  • Akutagawa Shichirobei, 25 Jahre alt
  • Kamogai Kanuemon, 56 Jahre alt
  • Iwani Kanbei, 45 Jahre alt
  • Mochizuki Yoemon, 33 Jahre alt
  • Yamanaka Jutaya, 24 Jahre alt

Sie kamen am 4. Januar 1638 an und ihre erste Aufgabe war es eine Karte der Gegend um die Burg anzufertigen. Nur 15 Tage später schickten sie eine detaillierte Karte über die Burg und die Streitkräfte nach Edo (das heutige Tōkyō) zum shōgun Tokugawa Iemitsu.

Es wird auch erzählt, das die Ninja aus Kōga oder ongyo no mono (versteckte Personen), wie sie auch genannt wurden jede Nacht ohne Probleme in die Burg schlichen. Am 21. Januar stahlen sie Nahrungsmittel aus der Burg, weil ihre Nahrungsmittelreserven langsam zu Ende gingen. Dabei gelang es ihnen auch einige geheime Passwörter zu erfahren.

Am 27. Januar gelang es fünf Kōga-Ninja, als Soldaten verkleidet in die Burg zu gelangen. Es waren Mochizuki Yoemon, Arakawa Shichirobei, Natsume Kakanosuke, Yamanaka Jutayu und Tomo Gohei. Die Belagerer feuerten mit ihren Feuerwaffen, und die Feinde löschten ihre Fackeln aus, damit sie nicht mehr treffen konnten. Als die Wachen spät in der Nacht langsam entspannten, kletterten die fünf im Schutz der Dunkelheit über die Mauern.

Arakawa passte nicht richtig auf, und stürzte in ein Loch, Mochizuki eilte ihm sofort zu Hilfe. Aber aufgrund des Lärms steckten die Wachen sofort die Fackeln wieder an, und sie wurden entdeckt. Mochizuki und Arakawa rannten durch die Truppen, griffen sich eine der christlichen Fahnen auf dem Weg und wurden beschlossen. Allen fünf gelang die Flucht, aber Mochizuki und Arakawa wurden verwundet.

Als die Burg am 24. Februar angegriffen wurde, dienten die Kōga-Ninja als Verbindungsmänner zwischen den Truppenteilen. Nebenbei kann noch erwähnt werden, dass Miyamoto Musashi (berühmtester Schwertmeister Japans), dem shōgun bei der Planung der Schlacht half. Aber er wurde von einem Stein getroffen, den eine Frau von der Mauer geworfen hatte und musste sich zurückziehen und beschwerte sich über den Verlust seiner jugendlichen Kraft.

Der letzte Kōga-ninja

Es wird erzählt, dass der Kōga-ryū bis Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts durch Fujita Seiko (1899-1966) überlebte. Er soll der 14. soke des Kōga-ryū gewesen sein. Im Zweiten Weltkrieg führte er kleine Einheiten in den Dschungeln an. Bei den Olympischen Spielen in Tōkyō 1964 versuchte er die Sportler dazu zu bewegen nach Ninja-Methoden zu trainieren. Er machte zu dieser Zeit durch aufsehenerregende Demonstrationen auf sich aufmerksam. Fujita Seiko starb am 4. Januar 1966 mit 67 Jahren in seinem Haus in Tōkyō an Leberzirrhose. Er war der Großmeister des Kōga-ninja-ryū-jūjutsu und der 14. soke des Sato-ryū-kenpō. Nach offiziellen Angaben hat er eine Lehrbefugnis für den Kōga-ryū niemals an Schüler weitergegeben.

Es gibt ein Buch, das Ninjutsu no Gokui heißt, geschrieben von Gingetsu, der die Techniken und die Geschichte von Tanemura Ihachiro, einem jōnin des Kōga-ryū lernte. Die Techniken, die in diesem Buch beschrieben werden sind sehr ähnlich zu denen des Togakure-ryū aus Iga.