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Mikkyō

Mit allen Dingen im Einklang

Um mit allen Dingen in den Einklang zu gelangen und ein durch und durch natürliches Geschöpf zu werden wendeten die Ninja das ninpō mikkyō (tantrische Lehren des Buddhismus) an.

Das mikkyō besagt, es gebe keinen Zufall. Alles, was wir als Glück oder Unglück ansehen sind unkanalisierte Kräfte, die sich in unserem Leben manifestieren.

Das bedeutet, dass eine richtige geistige Einstellung notwendig ist, um die Wirklichkeit in ihrer ganzen Vollkommenheit erfassen zu können.

Ninja und Wissenschaft

Die Ninja waren sowohl Wissenschaftler, beschäftigten und interessierten sich für die Funktionsweise von Organismen und Naturprozessen.

Doch gleichzeitig waren sie auch an tiefergehenden spirituellen und okkulten Phänomenen interessiert. Sie vertrauten auf deren Wirkungen, die sich im Laufe der vielen Jahrhunderte seit ihrer Erschaffung oft bewährt hatten.

Für vieles ist die heutige Wissenschaft noch nicht reif, und die Entschlüsselung des DNA-Codes ist nur ein Kratzen an der Oberfläche. Es wird noch sehr lange Dauern, bis vielleicht eines Tages die Wirkungsweise des Geistes und des Bewusstseins erklärt werden kann.

Asiatische Künste und moderne Wissenschaft

Viele asiatische Künste (vor allem in der Medizin) wurden noch bis vor kurzer Zeit als lächerlich angesehen. Doch jetzt, da z. B. die Wirksamkeit von Akupunktur bewiesen worden ist, werden diese Künste von einer immer breiteren Masse angenommen.

Doch ist noch lange nichts geklärt, die Funktionsweise von Meridianen und körperinternen Abhängigkeiten ist noch ungeklärt und Ergebnisse beruhen auf Spekulationen und Vermutungen.

Offenheit gegenüber allen Aspekten

Doch heutige Ninja verschließen sich nicht gegenüber neuen, bzw. alten Aspekten. Ninja fühlen sich keiner besonderen Religion oder Weltanschauung verpflichtet, sie nehmen die Aspekte der Religionen als funktionierende Prinzipien in ihre Weltanschauung auf, die einen Wert für sie haben.

Es ist deshalb wichtig zu verstehen, das alle Aspekte - sei es nun religiös oder philosophisch - nur Vorschläge für Ninja sein sollen. Es war keineswegs Pflicht und sollte es auch heute nicht sein, bestimmte Ansichten vertreten zu müssen, um sich als Ninja bezeichnen zu dürfen.

Nicht ein kamiza (Schrein) im dōjō macht den Ninja aus, sondern einzig sein Geist und seine körperlichen Fähigkeiten, sei dies nun christlich, buddhistisch, jüdisch, muslimisch, hinduistisch oder ganz anderer Gesinnung.

Philosophie und Religion als ethische Grundlagen

Doch was mit Sicherheit klar sein dürfte ist die Tatsache, dass ein Ninja ohne philosophische oder religiöse Grundlagen eine Schande für alle ist. Wer sein Ziel einzig auf die körperliche Entwicklung legt, wird scheitern. Wer stolz darauf ist Bretter zerschlagen zu können oder Gegner in Turnieren besiegt zu haben, der hat im Bujinkan budō taijutsu die falsche Kunst gewählt oder sollte diese Kunst nie wählen. Kickboxen, Karate oder besser noch Boxen ist meine persönliche Empfehlung.

Außerdem will ich anmerken, dass er sonst nie eine bestimmte Stufe im Bujinkan übersteigen wird (4. dan).

Entstehung des Mikkyō in Indien

Das mikkyō schöpft seine Lehren aus esoterischen, tantrischen Strömungen, die ihren Ursprung in Indien haben.

Diese Lehren, die ursprünglich aus dem Hinduismus kommen wurden als Tantra in den esoterischen Buddhismus Vajrayana aufgenommen. Diese Bewegung ist aus dem Mahayana entstanden und wird heute vor allem in Tibet ausgeübt.

Japanische Mönche in China

In der Heian-Periode wurden die Mönche Saichō (Dengyō Daishi) und Kūkai (Kōbō Daishi) vom Kaiser Kammu nach China gesandt, um durch das Studium des Buddhismus die religiöse Situation in Japan zu verbessern. Sie brachten die Grundlagen des mikkyō nach Japan mit, als sie zurückkehrten.

Der Mönch Kūkai studierte in China das Mi zong und gründete nach seiner Rückkehr im Jahre 816 auf dem Berg Koya (nahe Osaka) das Kloster Kongobuji, den Hauptsitz der Shingon-Sekte, einer esoterischen, buddhistischen Sekte des mikkyō. Er vereinigte in seiner Lehre das shintō und den Buddhismus.

Shingon

Im Shingon wird besondere Bedeutung auf die sanmitsu (Die Drei Geheimnisse) gelegt. Gedanke, Wort und Tat können jeden Menschen zur Buddhaschaft führen. Das Hauptmerkmal dieser Sekte ist die Verwirklichung eines harmonischen Verhältnisses der fünf Elemente.

Der zweite Mönch, Saichō, studierte das Tian tai, einen Zweig des Tantra. Nach seiner Rückkehr gründete er für seine Tendai-Sekte das Kloster Enryakuji auf dem Berg Hiei zan. Dieses Kloster wurde das mächtigste in Japan. Zeitweise standen 40.000 Mönche und sōhei unter dem Schutz des Kaiserhauses. Doch im Laufe seines Feldzuges gegen die ikkō-ikki (Aufständische Bauernkrieger), sōhei (buddhistische Kriegermönche) und Ninja wurde das Kloster von Oda Nobunaga niedergebrannt. Drei wichtige Strömungen sind durch diese Zerstörung entstanden: Sammon, Jimon und Shinsi.

Tendai

Die wichtigste Lehre im Tendai ist das befolgen der drei Vorschriften: Böses vermeiden, wo immer es auftaucht, Gutes tun, wo immer es geht und Achtung vor allen lebenden Wesen.

In den Ursprungsländern wurde aus den Grundlagen des mikkyō in den folgenden Jahrhunderten eine Religion. Es wurde eine große Anzahl Götter hinzugefügt und angebetet.

Doch die Ninja benutzten das mikkyō, um ihre Fähigkeiten und Kräfte zu verbessern. Mikkyō ist nicht nur eine Religion, sondern funktionierende Prinzipien der Gesetze des Universums.